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Genetik/Gesundheit

Genetische Einflüsse und Selektion

Genetische Einflüsse auf das Wesen des Hundes wurden schon vor längerer Zeit durch Scott und Fuller, in neuerer Zeit vor allem von Schwedischen Wissenschaftlern dokumentiert. Dabei wurde klar, dass verschiedene Verhalten von einzelnen oder vielen Genen beeinflusst sind, dass es grosse genetisch bedingte Verhaltensunterschiede gibt zwischen den Rassen, und dass es auch innerhalb von Rassen grosse individuelle genetische Unterschiede gibt.

Wir haben schon angetönt, dass gewisse Rassen wie der Bernhardiner sich im Vergleich mit dem Wolf mehr welpenhaft benehmen als andere (z.B. Terrier), und sich deshalb vom Verhalten her besser als Familienhunde eignen als jene. Sie sind im grossen Ganzen auch untereinander verträglicher, und lieben sozialen und Körperkontakt.

Die Schwedischen Forscher registrierten viele verschiedene Verhalten von Hunden, und merkten, dass diese in Gruppen zusammen variieren (als ganz simples Beispiel, Meidungsverhalten geht meist zusammen mit Schwanz einziehen). Sie konnten daher vier Wesenszüge definieren, nämlich Verspieltheit, Neugier, Furchtlosigkeit, Apportiertrieb (ein Element des Beutefangverhaltens), und soziale Aggressivität. Die ersten drei variieren zu geringem Grad zusammen, und können daher in einer übergeordneten Wesensdimension „Mut↔Furchtsamkeit“ zusammengefasst werden. Aggressivität variiert separat von den andern Wesenszügen.

Das Wichtigste für uns ist, dass diese Wesensmerkmale zu einem beträchtlichen Grade genetisch bestimmt sind, und dass es eine grosse Variation auch innerhalb einer Rasse gibt. Deshalb lohnt sich die genetische Selektion auf Verhalten – ein Zuchtfortschritt kann bei konsequenter Selektion relativ schnell erwartet werden.

Heute besteht leider die Tendenz, fast ausschliesslich auf das Erscheinungsbild einer Rasse zu selektionieren. Dabei hat man festgestellt, dass Nachkommen von Zuchten die auf Formwert züchten zwar weniger aggressiv sind, aber mehr Angst vor Dingen, Menschen und andern Hunden zeigen, weniger verspielt sind, und weniger neugierig sind. Sozialisierbarkeit und Verspieltheit sind aber Eigenschaften, die für einen Familienhund sehr wichtig sind. Auf der Wesensdimension „Mut↔Furchtsamkeit“ sind sie also weit entfernt von dem, was für einen Familienhund erwünscht ist.

Umgekehrt fand man, dass Rassen, die den Sozialkontakt lieben und verspielt sind, erfolgreiche Familienhunde abgeben. Allerdings sind das nicht die populärsten Rassen, denn auch die Auswahl einer Rasse durch einen Käufer erfolgt meist nach dem Erscheinungsbild, aufgrund von Romanen und Filmen, und nicht nach dem Verhalten.